Korrektur der BoundingBox bei EPS-Files
Varianten von PostScript-Files
PostScript-Files können durch spezielle Kommentare strukturiert werden. Diese Kommentare werden durch zwei Prozent-Zeichen (%%) eingeleitet und sind entsprechend den Adobe Document Structuring Conventions (abgekürzt DSC oder ADSC) aufgebaut.
Beispiele für DSC-Kommentare:
%%DocumentFonts: Times-Roman
%%BoundingBox: 0 0 842 1177
%%Page: 1 1
%%Trailer
%%EOF
Dabei nimmt der DSC-Kommentar BoundingBox eine besondere Stellung ein. Die vier angegebenen Zahlen sind die Koordinaten des linken unteren und des rechten oberen Eckpunkts des kleinsten Rechtecks, das den eigentlichen Inhalt einer Seite umschreibt. Die Maßeinheit ist 1/72 Zoll (1 Zoll = 2.54 cm).
Diese Angaben werden benötigt, wenn eine Darstellung aus Graphik und Text, die durch das PostScript-File beschrieben wird, in ein größeres Dokument integriert werden soll. Das verarbeitende DTP-Programm benötigt dann Informationen über die Größe der einzufügenden Darstellung, um den Platz zu reservieren und das zu integrierende Bild ggf. zu skalieren. Auch beim Erzeugen von Diapositiven werden diese Angaben benötigt.
Für die beiden genannten Zwecke werden PostScript-Files mit DSC-Kommentaren eingesetzt, die nur eine Seite beschreiben und keine ausgabe-orientierten Befehle (z. B. Auswahl eines Papierformats) enthalten. Man bezeichnet solche Files als Encapsulated PostScript Files (EPS-Files, EPSF). Ein EPS-File muß insbesondere den BoundingBox-Kommentar enthalten.
DTP-Programme, die EPS-Files integrieren, sind i. a. nicht in der Lage, die EPS-Files zu interpretieren, um die durch die EPS-Files beschriebenen Darstellungen auf dem Monitor anzeigen zu können. EPS-Files können deshalb jeweils um ein Rasterimage (Bitmap Preview) in geringer Auflösung ergänzt werden, das von DTP-Programmen für die Monitor-Darstellung genutzt werden kann. Die Rasterimages sind im allgemeinen abhängig vom verwendeten Betriebssystem, z. B. PICT beim Macintosh und WMF (Windows Metafile) oder TIFF unter MS Windows. Unter Unix werden EPSI-Files (Encapsulated PostScript Interchange File) verwendet, die ein Rasterimage in einer Betriebssystem-unabhängigen Form als Kommentar enthalten.
Ausführliche Informationen bietet das Buch von Thomas Merz (siehe unten) im Kapitel 3 (Encapsulated PostScript).
Für das Belichten von Dias wird das Rasterimage nicht benötigt.
Inkorrekte BoundingBox und ihre Korrektur
In einigen wenigen Fällen werden falsche Koordinatenangaben im BoundingBox-Kommentar erzeugt. Aus einem solchen fehlerhaften EPS-File kann dann z. B. kein Dia belichtet werden.
Es ist nicht sinnvoll, mit Hilfe eines Editors die Koordinatenangaben im BoundingBox-Kommentar zu ändern. Vielmehr stehen zur automatischen Korrektur der BoundingBox-Koordinaten zur Verfügung:
- GSview unter MS-Windows:
Das Programm GSview dient zum Preview von PostScript-Files .
Es sind die folgenden Schritte durchzuführen:- Mit File > Open ... öffnen Sie das zu überprüfende File. Bei fehlerhafter BoundingBox gibt GSview in einigen Fällen den Hinweis EPS Bounding Box is entirely off the page. Suggest you use Options > EPSF clip.
- Wählen Sie Options > Show Bounding Box. Bei korrekter BoundingBox sollte eine gestrichelte Linie die Zeichnung umschließen.
- Wählen Sie Orientation > Portrait.
- Um eine korrigierte Variante Ihres Files herzustellen, wählen Sie File > PS to EPS. Aktivieren Sie das Feld Automatically calculate Bounding Box und starten Sie das Erzeugen der korrigierten Variante mit YES. Anschließend werden Sie aufgefordert, einen Filenamen für das zu erzeugende korrigierte File anzugeben.
- Zur Überprüfung sollte die korrigierte Variante geöffnet werden.
- epstool unter Unix:
Dieses Programm muß in zwei Schritten aufgerufen werden:- Aus dem PostScript-File wird zunächst ein EPS-File mit einem Rasterimage im Format TIFF4 erzeugt (im Beispiel als EPSt4-File bezeichnet). Aus dem Rasterimage berechnet das Programm gleichzeitig die BoundingBox. Dabei wird das Programm Ghostscript verwendet, dessen Aufruf durch die Option -g spezifiziert wird.
epstool -b -t4 -g'gs' -oEPSt4-file Input-file - Das Rasterimage wird wieder entfernt.
epstool -p -oEPS-file EPSt4-file - Das EPSt4-File kann gelöscht werden.
epstool -b -t4 -g'gs' -ohugo.epst4 hugo.ps
epstool -p -ohugo.eps hugo.epst4
rm hugo.epst4 - Aus dem PostScript-File wird zunächst ein EPS-File mit einem Rasterimage im Format TIFF4 erzeugt (im Beispiel als EPSt4-File bezeichnet). Aus dem Rasterimage berechnet das Programm gleichzeitig die BoundingBox. Dabei wird das Programm Ghostscript verwendet, dessen Aufruf durch die Option -g spezifiziert wird.
Das Programm GSview ist erhältlich über die Home-Page von Ghostscript, Ghostview and GSview. Dort finden sich Hinweise auf die aktuelle Version .
Das Programm epstool kann aus dem File epstool-108.tar.gz generiert werden.
Literatur
- Thomas Merz
Die PostScript und Acrobat-Bibel (deutschsprachige Ausgabe)
Thomas Merz Verlag 1996 ISBN 3-9804943-0-6
PostScript and Acrobat/PDF (englischsprachige Ausgabe)
Springer-Verlag 1997 ISBN 3-540-60854-0
Web-Seite dazu


